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24 Stunden Grüne Hölle - Rad am Ring 20./21. August 2011

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This is the End, my only Friend, the End of our elaborate Plans, the End of everything that stands, the end …..

 … sang mir Jim Morrison in mein Ohr, als ich mich bei einsetzendem Nieselregen zum X-ten Male die letzten steilen Meter der Rampe am Ende der Auffahrt zur hohen Acht hinauf quälte …
 
Eigentlich war für mich Mitte Juli die Radsaison nach unzähligen Trainingskilo- und Höhenmeter, Trainingslagern, Marathons, der Transalp und dem 24h-Rennen von Kelheim,  gelaufen.
Nur noch spazieren fahren, Eis, Cappuccini, auch mal Bier mit , Schokolade vor dem Fernseher, Zeit mit meiner Andy, so sollte es erst mal weitergehen ….
 
Dann ein Anruf von Andi H. aus V. . Er sei in Not sagte er zu mir. Capitano Henning F. aus W. müsse dienstlich verreisen, und zwar genau an dem Wochenende, an dem die beiden als Titelverteidiger beim 24 h Rennen „am Ring“ antreten wollten, sollten, müssten …. , und ob ich mir nicht vorstellen könnte, als Ersatzmann einzuspringen.
 
Ich ? … als Ersatz für Henning F. aus W. ? … und Titelverteidigung ? … .
 
Meine linke Hirnhälfte sagte: „nee, das geht nicht und lass mal gut sein, du weißt doch - Eis, Bier, Steaks ….
Doch die rechte Hirnhälfte sagte: „mit Andi - warum nicht? Die Form hab ich auch noch und Henning sagte immer: „eine geile Strecke, geht ohne Bremsen;-)“…, na komm, mach es …
Was soll ich sagen, ich bin halt Rechtshänder.
 
So ging es dann los. Nach einigen landschaftlich wunderschönen Umwegen durch die Eifel schaffte es die RSG-Abordnung doch noch zeitgerecht am Freitagabend an den Nürburgring.
Startnummer und Einfahrtschein abholen, Box besichtigen, mit dem Taxi ins Hotel, Brotzeit, schlafen.
 
Samstag früh, ausgiebiges Frühstück; Andis Bemerkung über ein Kratzen im Hals geht irgendwie unter … - wir sind Männer! Mit dem Taxi zum Ring, Stellung in der Boxenparzelle beziehen, Nachbarn beschnuppern …, alle nett, passt scho. 
 

Umziehen und ab zum Einrollen auf eine Einführungsrunde auf der Grand-Prix-Strecke.
 
Das Unterhalten mit den RSG 75KM-Jedermännern Lukas, Oliver und Andi und das überraschende Auftauchen unserer Kölner Freunde von der Transalp lassen die Zeit bis zum Start wie im Fluge vergehen.
Aus einigen Malheurs des Vorjahres hatte man gelernt (siehe Bericht 2010): Vom Start an sollte Fencheltee gereicht werden, um die Mägen milde zu stimmen. Ersatzlaufräder wurden diesmal in Reichweite und in aufgepumptem Zustand vorgehalten. Und most important: Getränkeflaschen und Transponder-Flasche zur Zeitmessung unterschieden sich farblich und baulich – so sollte diesmal doch alles glatt laufen?  
12.30 Uhr

Andi geht zum Start …
Ich gehe in mich …

 
13.15 UhrStart …   tausende Rennradler und MTB’ler in mehreren Blöcken starten direkt vor unserer Box…,
ein Wahnsinn …
 
 
13.55 Uhr
Christina sagt: „du kommst gleich dran …“,  
ein Schrei: „Harald“, Andi kommt
von hinten angeflogen, ich fahre los …, im Vorbeifahren die Flasche mit dem Transponder schnappen …
und ich bin im Rennen.
Meine erste Runde, links, rechts und raus auf die Nordschleife, bis ca. km 10 Hochgeschwindigkeitsradfahren; unglaublich schnelle Passagen, Kurven so richtig zum durchfliegen, zwei Wellen bergauf …, kein Problem (noch) …, dann in den Anstieg ..., erst harmlos …, ab km 12 zäh, aber kein Problem, dann durchs Karussell …, und … pah, hier geht’s jetzt aber rauf, ca. 400 m mit bis zu 18 % …, locker bleiben …, oben Gruppe suchen für das letzte Drittel, wellig, mit einer langen Geraden, noch ein kurzer Anstieg und dann wieder auf den Grand Prix Kurs, von hinten durchs Fahrerlager zur Boxengasse …, da vorne steht Andi; rufen, Flasche rüber, erste Runde fertig …, puh ich auch …, das war definitiv viel zu schnell für 24 h.
 
Ab jetzt Taktik-Wechsel auf 2-Runden Turns …
In den Pausen: Essen, Trinken, runterkommen, auf die Matratze legen…
Beim Fahren: möglichst schnell Rhythmus finden, locker bleiben, nicht überziehen, clever fahren, auch mal verstecken …
 
Nach ausbaufähigem 5. Platz zu Rennbegin hatte man sich bis zum Abend auf Platz 3 vorgearbeitet. Läuft – dachten sich die Herren und prompt versuchte Harald bei einem der folgenden Wechsel, Andi seine leere Getränkeflasche anstelle der Transponderflasche zu übergeben. Dank obiger Vorkehrungen blieb es aber bei einem Versuch und man einigte sich bis zum Ende der Boxengasse noch auf die richtige Flasche.
Es geht in die Nacht …, ein irres Fahrgefühl, vor einem tanzen unzählige rote Punkte durch die Dunkelheit…, nur nach Gefühl fahren. Alle Daten liegen im Verborgenen – für Andi nach plötzlichem Lampenausfall auch die Strecke – zielsicher fand er aber nach 2 Runden wieder zurück zur RSG-Box.
 
Im Laufe der Nacht …, die Pausen werden gefühlt immer kürzer, das Essen fällt schwerer – manche haben zur gleichen Zeit andere Prioritäten: in der Box nebenan läuft bei den Volvo-Großteams das Rennen nicht auf der Strecke, sondern am Buffet… , schlafen geht gar nicht, allenfalls ruhen. Die schlimmsten Momente sind, wenn Christina sagt, „aufstehen, du bist gleich wieder dran“ …
 
 
 
Das Fahren fällt von Runde zu Runde immer schwerer, die Rampen stehen wie Mauern vor einem  - aber auch die Konkurrenz muss der Nordschleife Tribut zollen: die bis dato zweitplatzierten Österreicher schwächeln und die RSG zieht vorbei!
 
Das Morgengrauen: im wahrsten Sinne ein Grauen! Unsägliche Müdigkeit in Körper und Geist. Ich bewundere Christina, sie hat die ganze Nacht kein Auge zugetan, hat mir immer gut zugeredet, mich zum Essen und Trinken animiert, hatte stets einen heißen Tee parat und lecker Brote und Kuchen auf dem Teller, und immer die Uhr im Blick, damit kein Wechsel schief geht. Die perfekte Betreuung.
 
Endlich wieder Tag - aber keine Sonne. Stattdessen bedrohliche Wolken über der Eifel – davon im Wetterbericht kein Wort! Umstellen auf Einer-Runden, endlich die Kurven wieder richtig sehen, aber auch die Steigungen …, dann, auch das noch …, Nieselregen, die Strecke wird nass, Gott sei Dank, Wechsel, Andi ist  dran.
 
 
Doch der Regen ist nur von kurzer Dauer; mit der Sonne kehrt auch die Motivation zurück – nach 22 Stunden Renndauer kommt die RSG nochmal bis auf eine Minute an Platz eins heran – geht da doch noch was? Doch auch Austria erhöht noch einmal die Schlagzahl und der Abstand zu Platz 3 schrumpft bedrohlich: alles war für ein spannendes Finish angerichtet!
 
Sonntag
12.30 Uhr
bei strahlendem Sonnenschein auf die letze Runde, ich versuchen diese zu geniesen, Abschied nehmen …
  Andi erwartet mich am Ende der Döttinger Höhe zur gemeinsamen Zieldurchfahrt.
Endlich können wir ein paar Meter zusammen fahren, denn während der letzten 24 h haben sich unsere Begegnungen ja nur auf Flasche rüber reichen …. „alles klar“ und „ab geht’s“, beschränkt.
Jetzt Hand in Hand durch den Zielbogen – geschafft, wir beide körperlich vollkommen am Ende, aber stolz: nach vorne ging zwar nichts mehr, aber bei Platz 2 ließen wir nix anbrennen. Nach 24 Stunden war’s in diesem Jahr unglaublich eng, bei den Stockerlplätze Minutenabstände:
  
 
1.     Team Voba RSV 06 Nattheim  
2.      RSG Würzburg 
3.      RC SUNPOR 28 Run  

28 Runden
28 Runden
28 Runden

23:56:18,15
1d 00:01:00,96
1d 00:07:55,14

Wie sich im nach hinein herausstellte, war Andis Kratzen im Hals zur einer fürchterlichen Erkältung mutiert, aber er hat bravurös bis zur letzten Minute gekämpft – nach der Siegerehrung verließen ihn dann die Kräfte.
     
 
Wir drei haben alles was wir hatten in diese 24 h investiert, ein schreckliches, großartiges, grauenvolles, unvergessliches Erlebnis.
 
Fazit:
Ein Ring, sie zu knechten, sie alle zu finden, ins Dunkel zu treiben und ewig zu binden? Nach Rennende ein einhelliges: NEVER EVER als 2er Team! Doch der Mensch vergisst…
 
Fakten, Fakten, Fakten - 24h Rennen Rad am Ring 2011:
Gesamtstarterzahl: über 5000
122 Teams in der 2er Rennrad-Wertung
26,3 KM und 530 HM pro Runde
Gefahren: 28 Runden
Ca. 730 KM
Ca. 14800 HM
Ergebnis:
Gesamt Platz 2
AK Platz 2
 
Harald Scheller
Andi Hornung

 

herzlichen Glückwunsch

eine wahnsinns Leistung. Kann mir diese Strapazen immer gar nicht vorstellen. Danke für den Artikel. Der macht es etwas anschaulicher.