Skip to main content

Die Anfänge der RSG

Posted in

von Hugh Cairns

 Da waren wir also an einem Oktoberabend im Jahre 1979, neun begeisterte Rennradfahrer, die aus verschiedenen Gründen aus ihren jeweiligen Radsportvereinen ausgetreten waren und jetzt ihren eigenen Verein gründen wollten.

 
Wir waren versammelt in der Kanzlei von Rechtsanwalt Reiner Wolters, der auch bei der TransEuropa-Tour (siehe "Tour"-Bericht) dabei war. Wir hatten noch einen Juristen dabei, Rudolf Euteneuer, Richter, und die beiden haben gemeinsam eine Satzung entworfen. Es ist nämlich nicht ganz einfach, einen eingetragenen Verein ("e.V.") zu gründen, die Hürden der Notare sind hoch.
Die erste Satzung
 
Wir waren - für damalige Würzburger Radsportverhältnisse - relativ alt, alle bis auf Chistoph Altenhöfer schon berufstätig, was uns schon von den Fahrern der anderen Vereine unterschied, die größtenteils noch an Jugend- und Juniorenrennen teilnahmen, während wir uns in den großen Teich der C-Klasse wagten. Wieder war Chistoph Altenhöfer hier die Ausnahme, der schon in der B-Klasse fuhr und bald danach bereits A-Klasse.
 
Wir wollten zuerst den Verein RSG (Radsportgemeinschaft) Würzburg nennen, bald aber kam der Wunsch auf, uns auch vom Namen her von den anderen Vereinen abzuheben. Die Namen der anderen Vereinen schienen alle aus Großbuchstaben und Zahlen zu bestehen, zum Beispiel RMC 70 (Würzburg), ESV 27 (Regensburg), RV 1892 (Schweinfurt), da kam ich mit der Idee (vermutlich aus der Zeit stammend, als ich noch Französisch studierte), uns "RSG Velo Würzburg" zu nennen, und schon war der "Velo" gegründet.
 
Als Vereinsfarben hatten wir uns die Farben der Stadt Würzburg, rot und gelb, ausgesucht, auch ein Unterscheidungsmerkmal gegenüber den anderen Vereinen vor Ort, und glücklicherweise gab es zu diesem Zeitpunkt einen italienischen Rennstall, Sella Italia (inzwischen recht bekannt als Ausstatter, aber damals schon eine eigene "Squadra"), deren Trikot uns angelacht hatte - gelb und ein dunkles Bordeaux-Rot.
 
Wir nahmen auch Kontakt mit den Trikothersteller auf, aus Pistoia in der Toskana, sie schickten uns Muster, die mir sehr gut gefiel, aber meine neuen Vereinskollegen fanden sie etwas langweilig, deshalb versuchte sich ein Kollege künstlerisch mit einem sehr geschwungenen "Velo", und somit hatten wir unsere neuen Trikots. Ich bin auch mit meinem Vereinskollegen Gerd Beyer nach Italien gefahren, um die Trikots zu holen, was mir viel Spaß bereitet hat, nicht nur weil ich gerne in Italien bin und dabei auch meine in Udine lebende Schwester besuchen konnte, sondern auch und vor allem deswegen, weil Gerd Porsche fuhr.
 
Rudolf Euteneuer wurde der erste Vorsitzende unseres Vereins. Da wir uns dem "Olympischen Prinzip" verpflichtet fühlten, also "teilnehmen ist alles" (dies wurde auch bei unseren späteren Vereinsmeisterschaften ausgiebig praktiziert), sollte der Vorsitz regelmäßig wechseln, also nach einer Amtszeit von 2 Jahren übernahm Peter Hauck (schon wieder ein Richter!) das Amt des Vorsitzenden. Zwei Jahre später war dann Hans Kohn an der Reihe, und im Herbst 1985 war ich dran.
 
Ehrenabend für Rudolf Euteneuer
Ehrenabend für unseren 1. Vorstand Rudolf Euteneuer 22.01.11
(v.l.n.r. Klaus Scharnagel, Hugh Cairns, Rudolf Euteneuer)
 
Wie in vielen Vereinen ergab sich nach einiger Zeit eine gewisse Trägheit, die Mitglieder waren mit den Amtsträgern eigentlich ganz zufrieden, sie wollten lieber Fahrrad fahren als Sitzungen abhalten (was natürlich an sich eine feine Sache war, wir waren weit und breit der Verein mit dem größten Prozentsatz an aktiven Fahrern!), und so kam es bei der Jahreshauptversammlung 1987, dass sich keiner fand, der oder die mein Amt übernehmen wollte. Auf diese Art und Weise wurde ich der erste Vorsitzende unseres Vereins, der zwei Amtszeiten hintereinander im Amt war.
 
1989 aber war ich entschlossen, kürzer zu treten - meine Tochter war gerade auf die Welt gekommen, ich wollte mehr Zeit für meine Familie haben. Bei der Jahreshauptversammlung 1989 sah es aber düster aus, wir waren nicht einmal beschlussfähig. Da kam dann meine Frau (die auch Mitglied war) um die Beschlussfähigkeit herzustellen, und brachte auch gleich meine Tochter mit, die somit ihre erste und einzige RSG-Jahreshauptversammlung miterleben durfte.
 
Als Nächstes brauchten wir einen Kandidaten - Klaus Scharnagl saß mir gegenüber, ich habe ihn angeschaut, er hat zu Angelika geschaut, aber eigentlich hat er nicht sehr lange gezögert ... und den Rest kennt Ihr!
 
Es ist mir eine Ehre, in diesem fantastischen Verein Mitglied zu sein, auf den ich auch noch ein bisschen stolz bin.