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Elitefahrer in Oberfranken und der Pfalz am Start

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Kriterium in Altenkunstadt und Rundstreckenrennen in Roschbach

Rennfahrer in Flip Flops und mit dem Handtuch um den Nacken: Baggerseestimmung kommt auf am vergangenen Samstagnachmittag im oberfränkischen Altenkunstadt. Der Planet brennt. Doch der Kofferraum ist voll mit Karbon, nicht vom aufblasbaren Traum der Karibikinsel nebst Schwimmflügeln. Um 19:30 Uhr wird der Startschuss zum Obermainkriterium gefallen sein, 60 Runden gleich 60 Kilometer Fahren um’s Eck, Geblocker am Abend. Zuvor musste aber ein Länderspiel gewonnen werden und so haben sich Felix Schwarzmeier und Felix Wilhelm zunächst unter Unterstützung des fränkischen Sprintvirtuosen Hansi Wilckens in die örtliche, ausverkaufte Arena des Passivsports begeben, um dort das Spiel Deutschland gegen Argentinien anzuschauen.
Nach diesem gelungenen 4:0-Auftakt dieses sportlichen Nachmittages ging es direkt zurück zum Auto, um nach einem kurzen Beweis des eigenen Fußballkönnens aufzusatteln und sich für das anstehende Rennen warmzufahren.
 
Die Stimmung nach dem Rennen war nicht zu vergleichen mit der nach dem Freuden- und Schützenfest in Kapstadt. Unglücklich lief es ab. Schwarzmeier musste wohl zu viel Körner während des Länderspiels gelassen haben. Sein Ausstieg kam nach einem starken Auftakt schließlich aber so früh und überraschend wie das erste Tor. Leider ohne Begleitung derselben Welle der Euphorie. Wilhelm punktete gleich in der ersten Wertung mit Platz vier, musste später aber hilflos zusehen, wie eine Fluchtgruppe, in der er nicht war, das Rennen nach Hause fuhr. Zwar versuchte er mit starker Führungsarbeit, unter anderem zusammen mit Radlexpress Feuchts Wilckens, das Feld zur Aufholjagd zu animieren. Die Helfer der vorne vertretenen Fahrer wussten dies jedoch durch eine aufmerksame und taktisch souveräne Fahrweise im Feld zu unterbinden. Nach einem Taktikwechsel, den man als 180°-Wende auf der Taktiktafel bezeichnen könnte, hoffte Wilhelm, der verzweifelt mit ansehen musste, wie seine Felle davon schwammen, auf ein langsameres Fahren im Feld und den dadurch ermöglichten Rundengewinn der Führungsgruppe. Die schloss knapp zehn Runden vor Ziel wieder auf das Hauptfeld auf, womit die letzten zwei Wertungen wieder Punkte für alle boten. Wilhelm, der durch Informationen vom Streckenrand wusste, dass er lediglich auf Platz 14 lag, sah seine Chance und positionierte sich gut für den vorletzten Sprint. Kurz vor der 90°-Zielkurve meinten allerdings einige Kamikazefahrer, sich unter Einsatz von Leib und Leben (wohl vielmehr anderer Fahrer) noch in den Sprintzug reindrücken zu müssen. Wilhelm sah sich schon in einem Vorgarten liegen und verpasste nur um wenige Zentimeter den Jägerzaun, der rechts den Straßenrand markierte. Die vielversprechende Position war damit dahin und das Rennen abgehakt, ein dickes „Danke schön!“ ging an den Schutzengel. Der 14. Platz deutete an, was am nächsten Tag in Roschbach drin sein sollte.
 
Mit der aufgehenden Sonne im Rückspiegel fuhren die beiden Felixe gen Westen in das pfälzische Roschbach. Die Nacht war kurz. Erst kurz nach elf sind die beiden Fahrer am Vorabend nach Hause gekommen, es musste noch gegessen werden, um halb fünf am Sonntagmorgen ging es schon wieder raus aus dem Bett. So muss es bei Rundfahrten mit langen Transfers nach der Etappe sein. Um 8:15 Uhr war Start. Es war warm und es regnete. Die Runde war 6,5 Kilometer lang und musste zehn Mal gefahren werden. Viele 90°-Kurven und der regennasse Asphalt machte das Rennen technisch sehr anspruchsvoll. Die Zielgerade war gut ansteigend, jede Runde gab es Prämien, um das Rennen schnell zu halten, abwechselnd Bar- und Weinprämien. Lustig mit anzusehen, wenn austrainierte Sportler nach dem Rennen ihre Prämien abholen und eher befremdet ihre gewonnenen Flaschen Wein anschauen. Während des Rennens zeichnete sich der Massensprint des Feldes ab, die Prämiensprints wurden schnell gefahren, danach ist alles wieder zusammen gelaufen. Zwei Runden vor Schluss konnte sich allerdings eine etwa zehn Mann starke Gruppe absetzen, die noch einmal für Aufregung sorgte und die das Herz des Felix W. in seine neue RSG-Hose, die mit dem guten Polster, nicht die, mit dem schlechten Polster, die mit den Nähten, die so reiben, rutschen ließ. Doch das Feld arbeitete hart und fing die Gruppe wieder ein. Wilhelm wollte unbedingt eine weitere Platzierung unter den ersten Zehn. Dementsprechend ambitioniert war er in der Sprintvorbereitung.
 
Kurz vor der Ortseinfahrt Roschbach musste er aber durch eine Welle im Feld allerdings noch mal in den Rinnstein und verpasste auch hier wieder durch eine gute Reaktion einen Abflug in den Straßengraben. Durch diese Aktion musste er den Sprint bergauf von viel zu weit hinten angehen. Ein starker Endspurt sicherte ihm dennoch den 10. Platz – Minimalziel erfüllt. Bloß keine nervenaufreibenden Gedanken daran verschwenden, was Schönes drin gewesen wäre, ohne Welle, hätte er den Sprint unter den ersten 15 starten können.
 

Felix Wilhelm nach dem Rennen in Roschbach (Bild: Felix Schwarzmeier, der auch am Start stand).

 

Das nächste Wochenende ist nun frei. Da überlässt man das Rennfahren anderen, schaut aber zu, vor Ort in den Alpen, unter französischer Sonne.