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Faszination eines mythischen Radsportberges

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Anstieg über Bdeoin, 5 Kilometer vor dem Gipfel des Mont Ventoux

Die drei Anstiege auf den Mont Ventoux (1912m) in der Provence
 
Hettstadt/Mont Ventoux (Provence)
Er wurde auf schon auf Stelzen bezwungen, von Läufern, querschnittsgelähmten Hand-Bikern, meistens aber mit dem klassischen Fahrrad. Ein Franzose gar soll sein uraltes, nicht mehr fahrtaugliches Velo den Berg hinauf- und wieder heruntergeschoben haben. Eltern schreiben in großen Lettern stolz den Namen ihres achtjährigen radelnden Sohnes auf den Asphalt, aber auch über achtzigjährige Radenthusiasten bezwingen den kahlen Gipfel in den provenzalischen Voralpen.
Was aber macht die Faszination dieses Berges aus, dass sich jährlich zigtausende Radsportler über die drei möglichen Anstiege nach oben quälen wollen? Ist es seine herausragende Höhe, die bei klarer Sicht Ausblicke bis in die Pyrenäen, den Alpen und zum Mittelmeer ermöglichen? Ist es die beeindruckende Mondlandschaft auf den letzten sechs Kilometern zum Gipfel? Oder sind es die schweren Bergankünfte bei der Tour de France, die 1967 Radprofi Tom Simpson als Todesopfer forderten, gedopt mit Amphetaminen und unter Alkoholeinfluss? Oder sind es die drei Anstiege von Bedoin (21km, 1610 Höhenmeter, 7,8% Steigung), von Malaucène (21 km, 1570hm, 7,6%) und Sault (26km, 1180hm, 5,1%), die durch Wälder, Weinberge, Lavendelfelder und die Steinwüste zum Militärturm am Gipfel führen?
Im Sommer machen den Radsportlern neben den nicht enden wollenden Rampen von 11%-13% Steigung die Hitze und ganz oben vor allem der teilweise extrem böige Wind zu schaffen. Dazu kommt die seltsame optische Täuschung auf den letzten sechs Kilometer von Chalet Reynard zum Militärturm. Man nähert sich ihm eigentlich, aber trotzdem scheinen die langen Kehren nach oben immer mehr zu werden. Besser ist es, man konzentriert sich auf seine Tachoanzeige. Wer seine Kräfte zu früh aufbraucht wird bitter bestraft und muss gegen Ende das Rad nach oben schieben oder gar aufgeben. Der Berg fordert jährlich zwischen 10 und 20 Todesopfer, die meisten aufgrund von Herzversagen.
Ein seit Jahren begeisterter Fan des „weißen Riesen der Provence“ ist Joachim Brand (RSG Würzburg) aus Hettstadt, der sich Anfang September der Herausforderung stellte, alle drei Anstiege hintereinander an einem Tag zu bewältigen. Zu Beginn stand die schwerste Auffahrt von Bedoin an (1h37min), dann die kaum leichtere Auffahrt von Malaucène (1h33min) und zum Abschluss der etwas leichtere Anstieg von Sault (1h33min), der am Nachmittag durch die große Hitze von 34 Grad die letzten Kräfte erforderte. Für die drei Anstiege und die drei Abfahrten benötigte Brand 6h30min bei einer Gesamtstrecke von 140 Kilometern. Als Bezwinger der drei Anstiege innerhalb von 24 Stunden gehört man zum "Club de Cinglés de Mt. Ventoux" („Club der Verrückten des Mont Ventoux“).
Dazu sagt ein provencalisches Sprichwort: „Du musst nicht verrückt sein, um den Ventoux hinaufzufahren. Aber du bist gewiss verrückt, wenn du auf ihn zurückkehrst.“
Übrigens widmete Brand den schwersten Anstieg von Bedoin einer kürzlich erkrankten Kollegin.