shut up legs! (Jens Voigt im Selbstgespräch während der TdF)
Verfasst von Mario am Fr, 16/07/2010 - 20:18
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ein Bericht von Harald Scheller
-oder wie ich lernte meinen MP3-Player zu lieben !
PROLOG: Am Anfang stand die Frage
Auf einer Fahrt zu unserem alljährlichen brik Wanderwochenende im Gunzesrieder Tal, im Allgäu, stellten sich Dias und ich die Frage ob es möglich sei von Unterpleichfeld aus, mit dem Fahrrad, in einem Tag dorthin zu fahren. Wir diskutierten eine Zeitlang angeregt, um uns danach wieder anderen Themen zuzuwenden. Seither spukte diese Frage immer wieder mal in meinem Kopf herum.
LOGBUCH:
- Irgendwann im Frühling …
Die komplette RSG scheint sich auf die Transalp vorzubereiten.
Mein Nerv gibt sich relativ zahm.
Ich habe mich in diesem Jahr für keine Rennen oder Wettbewerbe gemeldet.
Ich trainiere ins nichts …
Aber da ist noch diese Frage …
- Irgendwann im Mai …
Vielleicht sollte ich es einfach probieren …
Ich beginne mir die Route anzusehen …
Der Termin steht. Am 03.Juli sind einige Familien der brik zum Wandern auf der Alpe.
- Ende Mai …
Die Route steht dank Google maps und tourwerk.
Die Trainingseinheiten werden länger. (Kreuzberg, Saaletal, etc.)
- Mitte Juni …
Durch gezieltes Lancieren des Projektes im Kreise von Freunden und Kollegen/innen verbaue ich mir geschickt alle Rückzugswege.
- Eine Woche davor, Ende Juni …
Der Wetterbericht gibt Anlass zur Hoffnung …
Die Form stimmt … hoffentlich …
Jetzt ein paar Tage kürzer treten …
- Freitag 02.Juli 2010
Ich habe Dias mein Gebäck übergeben, er nimmt es mit seinem Auto mit ins Allgäu.
Auch der Rad- und Körperkontakt mit einem Auto auf der letzten Einrollrunde, können mich dank Christoph und Basti jetzt nicht mehr aufhalten.
- Samstag 03.Juli 2010
3.00 Uhr wecken …
3.50 Uhr Abfahrt, leichtes Morgenrot, 18 Grad, windstill … es läuft perfekt
5.00 Uhr Kitzingen – ein Zeitungsausträger und ein Polizeiauto – der Planet ist also doch bewohnt …
Rothenburg, Feuchtwangen, Dinkelsbühl fliegen vorbei,
der MP3-Player gibt den Takt …
9.00 Uhr Bopfingen am Ipf,
schon 150 km es ist wie fliegen … ich habe mir Kaffee und ein
Teilchen verdient. Nun über die Ausläufer der Alp zur Donau …
Lauingen, Gundelfingen, Offingen nichts als flaches Land und
-ingen am Schluss, voll Langweilig.
200km auf dem Tacho, die Sonne brennt, 33 Grad, mein Kopf
fragt: was gibt das hier eigentlich? … Schnauze halten, Musik
hören …
Das Kammlachtal hoch, immer 1% Steigung , leichter Gegenwind,
35 Grad,
die Beine müssen permanent arbeiten, keine Sekunde Pause.
Die Musik schaltet das Gehirn aus. Die Beine stampfen …
immer schwerfälliger.
Im Windschatten eines Mountainbikers rette ich mich nach
Krumbach/Schwaben
13.30 Uhr 1 Std. Pause; Hefe alkoholfrei 2 x, Nudeln, Hefe alkoholfrei 1 x,
Kräfte tanken.
14.30 Uhr weiter geht’s.
Wouh! Die Beine sind wieder da … ausnutzen solange es
irgend geht.
Rettenbach , 38 Grad zeigt der Tacho, aber endlich ein Hauch von
Rückenwind ..
Obergünzburg, Wasser tanken … plötzlich geht’s bergauf auf
über 800 Meter,
mein Revier … dachte ich … Hitzestau unterm Helm, kein
Fahrtwind beim Hochfahren, ich glaube ich fahre in einem
Backofen … treten, trinken, treten,
trinken, treten, trinken … nicht denken treten …
Geschafft, oben, eine Abfahrt, ein Ortsschild, geil schon
Kempten …
Die Stadt schon beim Public viewing … ich bin fast alleine auf
dem Stadtring.
16.30 Uhr Immenstadt Marktplatz, eine Postkarte für die Kollegen/innen,
versprochen ist versprochen. Deutschland führt 1:0 sagt die
Verkäuferin … auch gut.
Noch 5km flach und dann der finale Anstieg zur Alpe noch einmal
fast 300 hm, ein Gel und los geht’s.
17.15 Uhr die Antwort: Es geht – GESCHAFFT
Auf der Hütte: Deutschlands geniale 2. Halbzeit bejubeln,
duschen, essen
und alkoholfreie Hefe, eins, zwei, drei, vier
um mich tobt das Leben … ich bin nur noch müde.
- Sonntag 04.Juli 2010
7.30 Uhr aufstehen, ich habe gut geschlafen … wie ein Baby.
Zum Frühstück frische Brötchen.
Gestern hatte ich noch vor mit dem Auto mit heimzufahren.
Aber ich bin Radfahrer … und die Beine fühlen sich erstaunlich
gut an …
9.30 Uhr Abfahrt … nicht mit dem Auto.
Sonne, frische Luft, es läuft …
Hinter Kempten hoch … heute kein Problem.
Rettenbach, Pfaffenhausen … der Wind passt … Krumbach,
Lauingen an der Donau, Pause … 150km, Schnitt 32,5 pooh.
14.30 Uhr weiter … hey was ist mit den Beinen?
Ich fühle Schmerzen, der Wind hat gedreht, es geht bergauf,
ich bin alleine … Knopf ins Ohr, Musik an …
Vor Neresheim, es liegt Rauch in der Luft, vor mir plötzlich die
Dampflokomotive der Museumseisenbahn zuckelt den Berg
hoch, endlich ein Gegner, nein ein Opfer.
Der Geist erwacht, Scheibe drauf, und ab geht’s …
Versenkt, die war gestanden wie ein Eimer.
17.00 Uhr Dinkelsbühl … wie habe ich deinen Anblick herbei gesehnt.
Kontaktaufnahme mit Andy, wie geplant, Rendezvous 18.00 Uhr
beim goldenen M an der Ausfahrt Crailsheim.
Die letzten 20 km … tour d`honneur …
17.45 Uhr Ankunft beim goldenen M
17.47 Uhr Andy kommt … perfektes Timing … ich liebe sie
18.00 Uhr Burger, Pommes, Cola …
18.30 Uhr Heimfahrt … Autofahren ist auch eine schöne Art sich
fortzubewegen …
Danke an:
Andy, die es mir trotz großer Bedenken nicht ausgeredet hat.
Dias, der mein Gebäck transportiert und meine Verpflegung auf der Hütte organisiert hat.
Die brikler, für den schönen Abend.
Christoph und Basti, für die schnelle Schadensbehebung.
Ro, für die geile Mukke.
Meinem MP3-Player, für das Überlisten des Geistes, uns das Antreiben der Beine.
Die nackten Daten
1. Tag: 344km , 2760hm , Schnitt 30,04
2.Tag: 240km , 1505hm , Schnitt 31,46











