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Ich gegen mich

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 ein Bericht von Harald Scheller

 
-oder wie ich lernte meinen MP3-Player zu lieben !
 
PROLOG:  Am Anfang stand die Frage
Auf einer Fahrt zu unserem alljährlichen brik Wanderwochenende im Gunzesrieder Tal, im Allgäu, stellten sich Dias und ich die Frage ob es möglich sei von Unterpleichfeld aus, mit dem Fahrrad, in einem Tag dorthin zu fahren. Wir diskutierten eine Zeitlang angeregt, um uns danach wieder anderen Themen zuzuwenden. Seither spukte diese Frage immer wieder mal in meinem Kopf herum.
 
LOGBUCH:
-          Irgendwann im Frühling   …
Die komplette RSG scheint sich auf die Transalp vorzubereiten.
Mein Nerv gibt sich relativ zahm.
Ich habe mich in diesem Jahr für keine Rennen oder Wettbewerbe gemeldet.
Ich trainiere ins nichts   …
Aber da ist noch diese Frage   …
 
-          Irgendwann im Mai   …
Vielleicht sollte ich es einfach probieren   …
Ich beginne mir die Route anzusehen   …
Der Termin steht.  Am 03.Juli sind einige Familien der brik zum Wandern auf der Alpe.
 
-          Ende Mai   …
Die Route steht dank Google maps und tourwerk.
Die Trainingseinheiten werden länger. (Kreuzberg, Saaletal, etc.)
 
-          Mitte Juni   …
Durch gezieltes Lancieren des Projektes im Kreise von Freunden und Kollegen/innen verbaue ich mir geschickt alle Rückzugswege.
 
-          Eine Woche davor, Ende Juni   …
Der Wetterbericht gibt Anlass zur Hoffnung   …
Die Form stimmt   …   hoffentlich   …
Jetzt ein paar Tage kürzer treten   …
 
-          Freitag 02.Juli 2010
Ich habe Dias mein Gebäck übergeben, er nimmt es mit seinem Auto mit ins Allgäu.
Auch der Rad- und Körperkontakt mit einem Auto auf der letzten Einrollrunde, können mich dank Christoph und Basti jetzt nicht mehr aufhalten.
 
 
-          Samstag 03.Juli 2010
 
3.00 Uhr     wecken   …
3.50 Uhr     Abfahrt,  leichtes Morgenrot, 18 Grad, windstill … es läuft perfekt
5.00 Uhr     Kitzingen  –  ein Zeitungsausträger und ein Polizeiauto  –                              der Planet ist also doch bewohnt   …
                      Rothenburg, Feuchtwangen, Dinkelsbühl fliegen vorbei,
                      der MP3-Player  gibt den Takt   …
9.00 Uhr     Bopfingen am Ipf,
                      schon 150 km es ist wie fliegen   …   ich habe mir Kaffee und ein
                      Teilchen verdient. Nun über die Ausläufer der Alp zur Donau   …
 Lauingen, Gundelfingen, Offingen nichts als flaches Land und
 -ingen am Schluss, voll Langweilig.
 200km auf dem Tacho, die Sonne brennt, 33 Grad, mein Kopf
 fragt: was gibt das hier eigentlich?    …   Schnauze halten, Musik
  hören   …
  Das Kammlachtal hoch, immer 1% Steigung , leichter Gegenwind,
  35 Grad,
  die Beine müssen permanent arbeiten, keine Sekunde Pause.
 Die Musik schaltet das Gehirn aus. Die Beine stampfen   …  
  immer schwerfälliger.
 Im Windschatten eines Mountainbikers rette ich mich nach
  Krumbach/Schwaben
13.30 Uhr    1 Std. Pause;  Hefe alkoholfrei 2 x, Nudeln, Hefe alkoholfrei  1 x,
                     Kräfte tanken.
14.30 Uhr    weiter geht’s.
                    Wouh!  Die Beine sind wieder da   …   ausnutzen solange es
                      irgend geht.
                      Rettenbach , 38 Grad zeigt der Tacho, aber endlich ein Hauch von
                      Rückenwind ..
                      Obergünzburg, Wasser tanken   …   plötzlich geht’s bergauf auf
                      über 800 Meter,
       mein Revier   …   dachte ich   …   Hitzestau  unterm Helm, kein
       Fahrtwind beim Hochfahren, ich glaube ich fahre in einem
       Backofen   …   treten,  trinken,  treten,  
       trinken,  treten,  trinken   …   nicht denken treten   …
                      Geschafft, oben, eine Abfahrt, ein Ortsschild, geil schon
                      Kempten   …
                      Die Stadt schon beim Public viewing    …   ich bin fast alleine auf
                      dem Stadtring.
16.30 Uhr   Immenstadt Marktplatz, eine Postkarte für die Kollegen/innen,
                      versprochen ist versprochen. Deutschland führt  1:0 sagt die
                      Verkäuferin   …   auch gut.
                      Noch 5km flach und dann der finale Anstieg zur Alpe noch einmal
                      fast 300 hm, ein Gel und los geht’s.
17.15 Uhr   die Antwort:  Es geht – GESCHAFFT
 
                     Auf der Hütte:  Deutschlands geniale 2. Halbzeit bejubeln,
                     duschen, essen
                     und alkoholfreie Hefe, eins, zwei, drei, vier
                     um mich tobt das Leben   …   ich bin nur noch müde.
 
 
 
 
 
 
 
 
-          Sonntag 04.Juli 2010
 
7.30 Uhr      aufstehen, ich habe gut geschlafen   …   wie ein Baby.
        Zum Frühstück frische Brötchen.
                      Gestern hatte ich noch vor mit dem Auto mit heimzufahren.
                      Aber ich bin Radfahrer   …   und die Beine fühlen sich erstaunlich
                      gut an   …
9.30 Uhr     Abfahrt   …   nicht mit dem Auto.
        Sonne, frische Luft, es läuft   …
        Hinter Kempten hoch   …   heute kein Problem.
        Rettenbach, Pfaffenhausen   …    der Wind passt   …   Krumbach,
        Lauingen an der Donau, Pause   …   150km, Schnitt 32,5 pooh.
14.30 Uhr    weiter   …   hey was ist mit den Beinen?
        Ich fühle Schmerzen, der Wind hat gedreht, es geht bergauf,
                       ich bin alleine   …   Knopf ins Ohr, Musik an   …
        Vor Neresheim, es liegt Rauch in der Luft, vor mir plötzlich die
        Dampflokomotive der Museumseisenbahn zuckelt den Berg
        hoch, endlich ein Gegner, nein ein Opfer.
        Der Geist erwacht, Scheibe drauf, und ab geht’s   …
        Versenkt, die war gestanden wie ein Eimer.
17.00 Uhr    Dinkelsbühl   …   wie habe ich deinen  Anblick herbei gesehnt.
        Kontaktaufnahme mit Andy, wie geplant, Rendezvous 18.00 Uhr
        beim goldenen M an der Ausfahrt Crailsheim.
        Die letzten 20 km   …   tour d`honneur …
17.45 Uhr   Ankunft beim goldenen M
17.47 Uhr    Andy kommt   …   perfektes Timing   …   ich liebe sie
18.00 Uhr    Burger, Pommes, Cola   …
18.30 Uhr    Heimfahrt    …   Autofahren ist auch eine schöne Art sich
                       fortzubewegen   …
 
 
Danke an:
 
Andy, die es mir trotz großer Bedenken nicht ausgeredet hat.
 
Dias, der mein Gebäck transportiert und meine Verpflegung auf der Hütte organisiert hat.
 
Die brikler, für den schönen Abend.
 
Christoph und Basti, für die schnelle Schadensbehebung.
 
Ro, für die geile Mukke.
 
Meinem MP3-Player, für das Überlisten des Geistes, uns das Antreiben der Beine.
 
Die nackten Daten
1. Tag: 344km , 2760hm , Schnitt 30,04
2.Tag:   240km , 1505hm , Schnitt 31,46