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Madmission 2011 - Mad East Challenge 24.-26.07.11 in Geising/Altenberg Erzgebirge

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1.Prolog Freitag 24.06. Prolog (oder auch Drecksauabfahrt!)

Anspannung-REGEN-Zweifel

Daten: 6,8km, 242hm

Es wird ernst: Die Masters und somit mein Mitstreiter starten in einer Regenpause. Die Glücklichen. Für Erheiterung sorgt die Startdynamik. Erik steht wie immer im Mittelfeld. Bei Startschuß seh ich kurz nicht hin, um einen Augenblick später verwundert Erik hinter einer wild davonrasenden Meute herradeln zu sehen ;-) Nanu? Sonst zieht er mich doch immer im Windschatten ins Rennen und da sind wir NICHT Letzte? Ich werde es noch mitkriegen.

Mein Start wird um ½ h verschoben. Das heißt erst warten und frieren; dann glücklicherweise Sonnen! So kann ich Erik im Ziel, welches er als Vorletzter (!) erreicht, über die Strecke ausquetschen. Dann nehme ich Aufstellung (mittlerweile wieder im Regen) im Block der Damen, Junioren und Nachmelder. Dieser erscheint mir: Übersichtlich. 60 sind bei dauerhaftem Schietwetter im Vorfeld gar nicht angetreten. Vielleicht deshalb wie mir scheint nur „Professionelle“ (Damen)/ oder so wirkende am Start. Alle mit Stahlwaden und fitter Aura ;-) Habe irgendwie auch gar keine Hobbyradler gesichtet. Ich friere mir den A…. ab und stehe wie ich meine eisenhart kurz/kurz mit Armlingen und Weste da während wieder ein Schauer bei gefühlten 7 Grad einsetzt. 50 sek vor Start entledigen sich die „Professionellen“ auch noch ihrer Jacken und Armlinge….! Als ob ich nicht schon genug eingeschüchtert wäre! Der Start ist rasant und eh ich´s mich versehe, bin ich von fast allen überholt. Naja, im Sprühregen memmt es sich eben gut. Außerdem wollte ich mich in Anbetracht der kommenden Tage ja auch zurücknehmen, schließlich will ich nur finishen. Trotzdem geht es mit Maximalpuls den Berg einfach nur hoch. Gefühlt natürlich in der Falllinie. Aber langsamer fahren kann ich nicht. Da es steil, nass und rutschig ist brauch ich ein „bißchen“ Geschwindigkeit um über die Steine zu kommen ohne abzusteigen. Die Quittung folgt dann oben. Aufgrund des riesigen Sauerstoffdefizits macht sich zunehmend ein unangenehmes Gefühl im Bauch breit welches rasch zu starken Schmerzen anwächst. Fachlich würde man es wohl als Darmischämie bezeichnen. Im Normalfall eine Indikation zur Not OP! Jetzt geht gar nichts anderes als langsamer werden. Darum überholt mich auch noch der letzte Teilnehmer meines Feldes. Naja, dann simma ja jetzt entspannter unterwegs ;-) Aber weit gefehlt, abwärts geht´s jetzt direkt, rutschig, über moosige Steine und schlammig; mitunter wadentief. Beim Absteigen und Schieben stört mich keiner; ich bin ja die Letzte. Nachdem ich diverse Fahrfehler ausprobiert habe, aber immer mit einem blauen Auge davon komme und nicht stürze, erreiche ich wieder Geising und reite glorreich als Letzte über die Ziellinie. Ein wenig peinlich ist mir das. Erik lacht. Aber immerhin ist der Bikewash nicht mehr überlaufen. Sind ja alle schon fertig ;-) Und Nudeln gibt’s auch noch.

Fazit: 0:30:27 Letzte der Frauen und überhaupt auch; Beweis, daß die HFmax doch höher liegt als jemals zuvor bestimmt, kein Sturz, kein Gesichtsverlust bei im Vorfeld akut bestehender Fluchtgefahr. Sollte an "Madmission" etwa was Wahres dran sein?

 

2. Etappe Samstag 25.06. „Hart an der Grenze“  (oder ziemlich drüber)

Noch mehr Anspannung-zumindestens trocken-Optimismus

Daten: 102,7km  2559hm

Heute geht´s gut los! Bei Start ist es kühl, aber sonnig! Da der Start eine ½ h verschoben wird, genießen wir das familiäre Rockfestivalähnliche Getümmel. Die Sachsen sind hart drauf. Heavy Metal Mucke schallt über die Anwesenden. Insgesamt hat man das Gefühl, für die Veranstalter (überwiedend im Studentenalter) ist das eine große Sause. Von Stress und Nerven merkt man hier wenig. Auch bekommt Erik unkompliziert Hilfe, als 10 Minuten vor Start auffällt, dass der Mantel doch großzügig gerissen ist. Aber der Mann ist ja eh die Ruhe in Person. Nur aufgrund dieser Tatsache und seinem guten Einfluß kollabiere ich nicht schon im Startblock vor lauter Aufregung. Ein Blick auf den Tacho macht aber doch meine Unabhängigkeit deutlich: Vom Training im GA1 Bereich lass ich mich trotzdem nicht abhaltenJ Erik lacht schon wieder. Schließlich stehen wir nur rum. Wir haben vereinbart, dass wir das Rennen als „Tour“ und als Team fahren. Sozusagen um mal zu schauen, wie es sich anfühlt, 3 Tage am Stück im Wettkampfmodus zu verbringen, sich dabei selbst und den anderen nicht zu zerfleischen, um sich hinterher noch in die Augen schauen zu können. Die Strecke ist super! Wiesenanstiege, Schotterwege, Trails, Aussichten ins Erzgebirge und alles ständig in anderen Variationen. Es geht hoch und runter, mal länger, mal kürzer. Die Strecke zollt leider dem zuvor andauernden Regen Tribut und ist…….tief……! Die Höhenmeter saugen sich regelrecht am Hinterrad fest. Im Wald verliere ich den Anschluss und schlingere gefühlte Stunden einsam durch wadeltiefen Schlamm. Immer darauf bedacht, NICHT runter zu müssen. Aber einsam? Nee, die komplette Abfahrt knattert das Medizinmopped (hoffentlich) oder womöglich Besenmopped (hoffentlich nicht) hinter mir. Alter bin ich kaputt! Ich schiele auf den Tacho und bin schockiert. Wir haben grad mal 20km hinter uns! Womöglich haut sich in dem Moment die mentale Bremse rein. Danach wird´s nur noch bitter. Aber ich kämpfe und trete und trete und wiederhole mein Mantra zwischen Atemhechlern:  Der – Besenwagen – ist – keine – Option – Punkt - ! (Gruß an Elisabeth!;-))  Es ist brutal, aber dann sehen wir Licht am Ende des Tunnels. Die Verpflegung mit dem Timeout bei km 48 naht. Erik gibt noch mal alles und zieht mich im Windschatten ran….Und dann die Ernüchterung. Zeitlimit um 6 Minuten verpasst…..Es gibt nichts zu diskutieren. An uns zieht die Spitze vorbei. Die haben also grade ihre 20km Schleife absolviert, die wir uns jetzt sparen dürfen/können/müssen. Wir sind raus….Ich blicke in lange Gesichter. Es nützt auch nichts, dass wir rechnen. Zwar war der Start eine halbe Stunde später, das Timeout aber gleich geblieben. Angeblich wurden 3km rausgenommen. Wie die wohl aussahen? Hätte man es geschafft? Ich schwanke zwischen Erleichterung und Enttäuschung. Die Herausforderung des Tages kommt allerdings erst jetzt auf uns zu. Wir wissen es nur noch nicht. Jetzt noch mal ca 45km und x Höhemeter zurück…!!! DIE werden die wahre Prüfung für mich und ich glaube auch für Erik, aber auf anderer Ebene. Ich bewege mich körperlich am absoluten Limit getriggert von der Enttäuschung. Innerlich brüllt und tanzt der Schweinhund Lambada die alte S..! Andererseits will ich nicht als Lusche dastehen und wachse wohl oder übel an den Anforderungen. Nie im Leben steig ich Morgen wieder auf´s Rad! Is´ mir doch sch...egal, dass ich aufgebe! Wer bin ich denn….! Zu diesem Zeitpunkt fällt mir keine Radsportliche Aktivität ein, bei der ich jemals mehr gelitten hätte. Aber die Sachsen und Tschechen sind großartig! Sie feuern an, verpflegen mit Herz und den weltbesten Keksen für die Seele. Und das 3x häufiger als angegeben. Wenn man also kurz vorm Fall vom Rad steht kommt sicher ein Keks oder Cola angeflogen. Gott sei Dank ist der Rest der Stecke technisch leicht und Erik darf schieben ;-) Der Gute! Als das Zielbanner leuchtet, befinde ich mich kurz vorm Delirium. An die ersten 10 Minuten nach Ankunft kann ich mich nicht erinnern ;-) Nur den unzähligen Colabechern neben mir ist es zu verdanken, dass ich dann doch wieder aufstehe.

Fazit: Unendliche Fahrzeit. Aus der Wertung genommen. Beweis, daß nach „geht nicht mehr“ noch ne Menge geht. Es noch ein „wir“ gibt ;-) Sägezahnstreckenprofile von jetzt an als kritisch gelten.

3. Etappe – Grüne Hölle ( oder Mad East light)

Jetzt mal relaxt-Wolkenbruch- Fatalismus

Daten: 75,5km, 1948hm

Die Sintflut kommt vom Himmel, ganz sicher! In Regenkomplettmontur stehen wir im wie ich finde dezimiertem Startfeld unter der Bahnhofsüberdachung. Überaschenderweise tut gar nichts so richtig weh! Heute gilt: wir starten erst mal und alles andere ist Zugabe. Diese Einstellung bringt Lockerheit ins Spiel und schon per se Gewinn. Außerdem KANN es jetzt kaum mehr schlimmer werden. Der Regen hält an, wir schlingern über Felsen, Schlamm, Waldwege. Aussichten haben wir heute kaum, da die Strecke v.a. im Wald verläuft. Alles dampft, die Brillen beschlagen, es gibt nichts Trockenes oder gar Sauberes am Radler…. Mit Kontaktlinsen geht es, man hat noch die Wahl. Erik mit Brille ist stark gehandicapt. Wir schieben des Öfteren eigentlich fahrbare Passagen, da einfach kein Durchblick herrscht. Stürze würden mitunter ziemlich steil den Hang runtergehen….nein danke! Auch nach 30km ist wettertechnisch keine Besserung in Sicht, so dass wir uns als Team entschließen, die Sache zu beenden. Ich kann dazu nur sagen: Wat´n geiles Gefühl nich mehr zu müssen :-) Wir biegen in die Zielgerade und alles ist wieder gut.

Fazit: Ordentliche Leistung. Nach Regen und Schlamm kommt noch mehr Regen und noch mehr Schlamm. Im Trainingsbereich besteht Luft nach oben. Der Regen hört dann auf wenn´s eigentlich auch egal ist. Weißbier und Riesenschnitzel ist definitiv angemessen! Das Finisher-T-Shirt ist hart verdient.

 

Rückblick: Geniale Veranstaltung, Super Orga und Stimmung. Unser (ziemlich bittersüßer) Einstieg in die Etappenrennwelt. Beste Nudelparty ever! Und ob man´s glaubt oder nicht: Nächstes Jahr wieder und dann aber ALLES.

Nach dem Rennen ist vor dem Rennen.