Ergreife das Leben am Lenker
(unbekannt)
Verfasst von Peter Ruppert am Do, 01/09/2011 - 13:09
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(Janina Seyler)
Es sind Sommerferien 2011. Zum erst kürzlich zurückliegenden Schuljahresende habe ich meine Rad-Nachwüchse – teil sogar aus dem Unterricht in der 11. Klasse heraus (mancher darf mich auch als offizielle Lehrerin genießen) – in die Sommerferien geschickt: Training eigenverantwortlich, Urlaub, Luft an die Beine ranlassen.
Ein paar Tage zurück liegt einer der vielen selbst bestrittenen Triathlons (schön wars!), eine ziemlich anstrengende Sonntags-Radausfahrt mit der RSG, Montag Ruhetag und die beiden vergangenen Tage war ich für mich unterwegs.
Jetzt sitze ich am PC und bin irgendwie in die Radbilder hineingerutscht. Ich zappe durch die vergangenen Jahre mit und in der RSG Würzburg und zu nahezu jedem Bild, jeder Veranstaltung, jeder Trainingsimpression gibt es eine kleine Geschichte drum herum.
Wie gesagt, wir schreiben das Jahr 2011. 2006 habe ich bei der RSG angefangen, nächstes Jahr werde ich 30 und ich stelle fest, ich habe mich in den letzten fünf Jahren nicht wirklich viel verändert. Naja, ein bisschen vielleicht – ein paar Kilos weniger, ein paar Erfahrungen schwerer und beruflich nun „in trockenen Tüchern“. Aber die Jugend! Die hat sich verändert!
Gerade vor drei Wochen habe ich „meine Jungs (und auch ein Mädel!)“ in die Ferien radeln lassen und ziemlich … fast … erwachsene Männer und Mädels verabschiedet. Manche haben ihren ersten Schulabschluss hinter sich; im September beginnen sie die Arbeit mit einer Ausbildung. Andere arbeiten auf ihr Abitur zu. Doch was und wen sehe ich auf den Bildern? Kinder sehe ich und ich stelle fest: Es waren doch fünf Jahre, die ich habe miterleben dürfen und in denen ordentlich viel passiert ist. Fünf Jahre einer ziemlich heißen Phase: Pubertät pur. U13 bis U17 grob gesagt. Und wie schon so oft sehe ich die Bilder mit einem Lächeln … und bin stolz auf „meine“!
Aber der Reihe nach.
Unglaublicherweise liegt der Grundstein für meine „Trainerinnenkarriere“ bei der RSG Würzburg am Nürnberger Hauptbahnhof. Wie? Ein kurzes Treffen nach dem Nürnberger Altstadtrennen 2006 mit Armin Herrmann war der Auftakt für die gemeinsame Sache: wir vereinbarten ein gemeinsames Wintertraining für die Radsport-Nachwüchse der RSG Würzburg ab dem Winter 2006.
Wie die Jungfrau sozusagen zu vielen Kindern. Zu dem Zeitpunkt wusste ich noch nicht, worauf ich mich einlassen würde!
Wir begannen „solide“ mit einem Athletiktraining in einem unvorhersehbar milden Winter 2006/2007 unter freiem Himmel in Rottendorf auf dem Parkplatz von S’Oliver. Einen Sack Flöhe hüten ist nichts dagegen – aber Spaß hats gemacht. Meiner Stimme weniger. Mir schwante, was da nun auf mich zukommen würde.
Weniger spaßig war der Rad-Trainingsauftakt im Frühjahr 2007. Pro Trainingsausfahrt starb ich mindestens fünf Tode … nicht des Tempos wegen, sondern der Fahrtechnik. Passiert ist aber unfassbarer Weise nichts. Vielmehr passierten die ersten (kleinen) Erfolge und Sprünge auf so manches Treppchen! Nun wusste ich, was da auf mich zukommt. Die RSG Rennrad Jugend war im bayerischen Renngeschäft wieder angekommen!
So ging es dann den üblichen Weg einer Radsport-Truppe: Ordentliche Saisonvorbereitung (ab 2007 dann auch überdacht) in der Halle, altersentsprechend Krafttraining im Studio jedes Jahr mal ein bisschen verändert, Frühjahrstrainingslager auf Mallorca oder in Italien, Rennsaison mit teils tollen Erfolgen, Saisonausklang und schließlich die verdiente Zwei-Wochen-Pause Ende Oktober, bis alles für die neue Saison wieder von neuem beginnt.
An dieser Stelle sollten nun eigentlich ein paar herausragende Erfolge stehen. Das werde ich aber nicht tun, denn jede und jeder kann „Erfolg“ für sich verbuchen: zwar sind es vielleicht nicht die vordersten Platzierungen, sondern eher das „Dabeibleiben“, ein „sich selbst überwinden“, der Trainingserfolg. So ist – natürlich neben den einigen Meistern, Vizemeistern und Drittplatzierten auf der Straße und Bahn und allen anderen vordersten Rennergebnissen – jeder ein Sieger und deshalb als Person wichtig und wertvoll. … wer dennoch eine Ergebnisaufstellung (sortiert nach Datum, Platzierung oder Name) der letzten Jahre möchte, kann sich gern an mich wenden, ich habe alles digital ;)!
In den vergangenen Jahren haben Armin und ich auch immer versucht, die „Hobbys“ – also die nicht so ambitionierten Sportlerinnen und Sportler – mitzuziehen. Mal so mal so. Es ist uns aber leider gegangen wie vielen anderen Trainern und Betreuern: Im Radsport trennt sich doch schnell die Spreu vom Weizen. Die Leistungsdichte ist einfach zu hoch. Manche sind dazu gestoßen, manche haben sich für ein anderes Hobby entschieden. Spaß aber hat es vielen gemacht, die dabei waren und so ist auch heute noch ein kleines Häufchen von den „alten“ übrig. Ob und wie diese Übrigen weiterhin Rennsport betreiben können oder wollen, wird sich (angesichts der Schul- und Arbeitsbelastung) zeigen. Dem Sport aber werden sie in irgendeiner Form erhalten bleiben: Einer ist bereits Kommissär für den Bayerischen Radsport Verband, ein zweiter wird es heuer werden und auch in Richtung Übungsleiternachwuchs steht bereits die Planung. Also: Noch immer wird fleißig geschafft!
Auch ich für meinen Teil werde „meine Jungs“ im Jahr 2012 wohl endgültig abgeben müssen: Für ein „altes Mädchen“ sind sie nächste Jahr als U23 wahrscheinlich zu schnell. Aber auch ich werde dem Radsport und der RSG doch wohl erhalten bleiben. Vor allem aber wird mir etwas erhalten bleiben: Viele tolle Erfahrungen, Stimmungshochs bei respektablen Erfolgen, Mitleiden bei dem Schmerzen nach einem Sturz und der Stolz eine Hand voll junger Menschen in einer wertvollen Lebensphase begleiten und ihnen beim Aufwachsen zusehen zu dürfen.
Dankeschön allen Mit-Trainerinnen und –trainern beim Jugendtraining.
Und Dankeschön „meinen Jungs und Mädel“ für die engagierten und tollen letzten fünf Jahre!












